Dienstag, 26. September 2017

Buchempfehlung: "Katie" von Christine Wunnicke



Buchempfehlung

"Katie" von Christine Wunnicke ist mein erstes Buch, das ich von der Longlist zum Deutschen Buchpreis gelesen habe.


Klappentext:

 „Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London auch um 1870 herum genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt ­kollektiv die Sinne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen ­Séancen mit dem Jenseits zu ­parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche – streng verschnürt im Schrank bringt sie die ­aufregendste aller Erscheinungen zutage: ­Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes Weiß gewandet, früher Piratentochter, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung. Oder …? Ein Fall für Sir William Crookes, der Florence (und Katie) nach den Regeln der damaligen Kunst unter die Lupe nimmt – nur um am Ende erschöpft zu konstatieren, dass die Wissenschaft im Grunde auch nur ein Spuk ist. Eine herrlich übersinnliche Geschichte, und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich.“


Ich muss sagen, ich bin „begeistert“- im wahrsten Sinne des Wortes.
Eine wundervolle, skurrile Geschichte, die es tatsächlich so gegeben hat.
Ich dachte zuerst: Was für eine abgedrehte Phantasie hat die Autorin? 
Zu verrückt. Zu sonderbar. Zu unglaublich.
Dazu kamen jede Menge wissenschaftliche und auch medizinische Begriffe, die ich im Prinzip als (Stil) Mittel zum Zweck, aber nicht ohne Bewunderung für die Autorin, überlesen habe. 
Erst nach Beendigung der Lektüre gab ich - neugierig geworden- den Namen Florence Cook in eine  Suchmaschine ein und wurde völlig verblüfft.
Dieses Mädchen, diese Florence Cook hatte tatsächlich vor 150 Jahren gelebt und war das bekannteste Medium seiner Zeit. All die verrückten Experimente,­Séancen mit dem Jenseits und Erscheinungen, sind vermutlich tatsächlich genau so passiert bzw. wahrgenommen wurden, wie Christine Wunnicke sie erzählt hat. 
Grandios!
Christine Wunnicke, ich Danke Dir.
Du hast mich mit Deinen Roman gefangen genommen.
Klasse Schreibstil. Wundervolle Geschichte. Fabelhaft recherchiert. 



***Die Farbstoffsammlung***
Technische Universität Dresden

Am 15.09.2017 war es soweit.
Im Rahmen meiner Recherche zu meinem neuen Roman "Die Geburt der Venus" habe ich mir einen Termin bei Herrn Reinhard Buchholz (Mitarbeiter der Historische Farbstoffsammlung, Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften, Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie )
für die Besichtigung vorab reserviert.
Mein Kommen war für ca.11 Uhr  angepeilt, doch da das Geländer der Technischen Universität eher einer kleinen Stadt in der Stadt glich, hatte ich mich heillos verfahren.
Um es kurz zu machen: Mir wurde schnell weitergeholfen. Die Dresdner waren allesamt sehr freundlich und hilfsbereit.
11.30 Uhr saß ich dann zwar etwas außer Atem, aber richtig im König-Bau der Universität, wo die Historische Farbstoffsammlung der TU untergebracht war.
Ich weiß zwar nicht mehr, was ich erwartet habe, einige Fotos und Hinweise habe ich ja vorab im Internet finden können.
Doch was ich dann tatsächlich vorgefunden habe, war atemberaubend, auch für einen Laien.
Herr Buchholz fing ganz am Anfang an...
Vom Urknall der Farben sozusagen. 
Ich bekam eine persönliche Vorlesung zum Thema.
Farbmittel wurden seit Jahrtausenden für das Einfärben von Textilien eingesetzt und die Anfänge der Farbstoffsammlung lassen sich bis auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückführen.
Ich erfuhr vom Lebenswerk des Prof. Walter König (Professor für Farben und Textilchemie, Direktor des Labors und jetzigem Namensgeber des Gebäudes),



von Friedhelm Ferdinand Runge, dem "Meister der Fleckenentfernung", Paul Ehrlich, Richard Möhlau u.v.m.
Mein Kopf schwirrte von all den vielen Namen und Begriffen wie: Schellack, Karminsäure, Chinin, Anilin, Perkinsviolett, Tripanrot, Tripanblau, Oxydation, Methanol, Bariumsulfat, Schwefelsäure, Bleiweiß...
Man muss wissen, dass Chemie damals nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfächern gehörte.
Allerdings wurde es uns auch nicht so anschaulich erklärt, wie es Herrn Buchholz auf Anhieb gelang.

Ich durfte den alten Hörsaal betreten und bestaunen, der noch heute voll funktionstüchtig ist:







Vom alten Hörsaal ging es dann in die eigentliche "Historische Farbstoffsammlung" -
einen großen Raum, der sich über zwei Etagen erstreckt.
Ich war schier überwältigt und hatte nicht mit der Größe gerechnet.
Man hätte dort Tage verbringen können, um wirklich alles ganz genau zu betrachten. Diese Zeit hatte ich leider nicht.
Herr Buchholz war ein wandelndes Lexikon und man spürte seine Leidenschaft für die Thematik.
Ich habe soviel gelernt und gesehen. Leider habe ich mir gar nicht alles merken können.
Ein paar Notizen habe ich mir gemacht und kann jetzt noch für meinen Roman nachrecherchieren.









 Waidkugeln, gewonnen aus der Färberwaidpflanze...




Safrankrokus...


 Das teuerste Gewürz der Welt: Safran




Karminsäure: 
Grundlage für den Farbstoff Karmin. Aus Schildläusen gewonnen.







Purpur wurde früher für die Amtstracht der Kardinäle eingesetzt.
Gewonnen wurde dieser sehr seltene und  kostbare Naturfarbstoff aus der Purpurschnecke. 
8.000-10.000 Schnecken waren nötig gewesen, um 1g Purpur zu gewinnen.






Die Farbstoffsammlung in Dresden gehört europaweit zu den umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen dieser Art. 
Am Ende meines 2,5 stündigem Exkurses habe ich noch eine Broschüre geschenkt bekommen, in der die Geschichte der der Farbstoffsammlung zusammengefasst wurde.

Der Besuch hat meine Vorstellungen bei weitem übertroffen!


Vielen Dank an Herrn Reinhard Buchholz!